Vom Studieren hielt er wenig. Schon als Kind hatte Enzo Anselmo Ferrari klare Vorstellungen davon, was er im Leben einmal machen wollte. Am 20. Februar 1898 in Modena geboren, erlernte Ferrari im Anschluss an seine Schulausbildung im Jahr 1914 das Handwerk seines Vaters in dessen Schmiede. Schon in seiner Jugend interessierte er sich fast ausschließlich für Verbrennungsmotoren. So nutzte er den väterlichen Betrieb, um sein technisches Wissen zu vervollkommnen, anfangs mit Motorreparaturen und später mit ersten Motoren im Eigenbau. Bereits 1918 saß er das erste Mal am Steuer eines Rennwagens. 1919 reiste er auf eigener Achse quer durch Italien, um an der damals bedeutenden Targa Florio teilzunehmen. Ein Jahr später erreichte er sensationell den zweiten Platz bei diesem Rennen. Dieser Erfolg bescherte ihm im gleichen Jahr den Posten als Chefwerksfahrer bei Alfa Romeo. Eine Geschichte über Ferrari beginnt immer bei Alfa Romeo. Während seiner Rennfahrerlaufbahn absolvierte er insgesamt 47 Rennen für Alfa Romeo und holte mehr als ein Dutzend Siege. Aber schon früh wurde klar, worin er seine eigentliche Berufung sah: Unterstützt von privaten Finanziers macht sich Enzo Ferrari 1929 selbstständig und gründet als Alfa-Markenvertretung und -Motorsportvertrieb die Scuderia Ferrari in Modena. 1930 fungierte seine Firma sogar als alleinige Alfa Romeo Rennabteilung und beschäftigte Piloten wie Nuvolari, Chiron oder Varzi. Enzo Ferrari war als Rennleiter noch erfolgreicher denn als Rennfahrer. Dank der Siege, die seine Scuderia eingefahren hatte, durften sie den von Alfa Romeo neuentwickelten Rennwagen 8C 2300 einsetzen, der ein Jahr später auch das prestigeträchtige Rennen in Monza gewann. Die ersten Motoren für Ferrari hatte der frühere Alfa-Ingenieur Gioacchino Colombo konstruiert, und sein Zwölfzylinder wurde lange Jahre in verschiedenen Varianten im Ferrari-Programm eingesetzt. Bereits im Jahre 1930 hatte Ferrari auch schon ein eigenes Wappen: Die Mutter des italienischen Kriegshelden Francesco Barraca, der sich das Emblem auf seinen Jagdflieger malen ließ und bis zu seinem Abschuss im gleichen Kavallerie-Regiment diente wie Enzos älterer Bruder, hatte es ihm geschenkt. Die trauernde Gräfin wollte das Abzeichen auf Enzos Rennwagen sehen. Ferrari fügte dem Logo seine Initialen und die Tricolore hinzu, stellte das schwarze Pferd auf gelben Grund, die Farbe seiner Heimatstadt Modena, und eines der berühmtesten Signets der Welt war geboren. 1932 fuhr die Scuderia erstmals unter dem Zeichen des Cavallino Rampante. Nachdem seine Werkstatt 1943 von alliierten Bombern fast vollständig zerstört worden war, zog der Rennstall von Modena nach Maranello um. 1946 konstruierte die Scuderia Ferrari erstmals einen eigenen Renn- Testarossa: Die Rennerfolge der Vergangenheit begründen den Mythos der Marke. Links: Rennfahrer Enzo Ferrari auf einem Alfa Romeo. Mitte: Der Commendatore mit zwei historischen Modellen. Rechts: Ausstellungsstück im Ferrari-Museum. Alte Ferrari sind heute begehrte Sammlerstücke, für die Millionen bezahlt werden. JOURNAL 134 MAGAZIN | 2023
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