sopramagazin 2012 95 architekturwellness&design Neulinge, die vor einem Floating-Tank stehen, fragen sich oft, was das bewirken soll. Wenn sie aber erstmal selbst eine Weile den Schwebezustand im angenehm warmen Salzwasser genossen haben, dann sind sie restlos überzeugt. Beim Floating, englisch Schweben, liegen die Personen in einem speziellen Floating-Becken nahezu schwerelos auf der Wasseroberfläche in konzentriertem Salzwasser. Dabei soll der Gast bei völliger Ruhe möglichst von keinen Außenreizen gestört werden. So kann er bereits nach kurzer Zeit in den Zustand völliger Entspannung gelangen. Vielfältig sind die Anwendungsmöglichkeiten: Im medizinischen Bereich sind dies Schmerzmedizin, Orthopädie, Dermatologie und Sportmedizin. Im therapeutischen Bereich wird Floating im Stressmanagement, bei Burnout-Syndrom und Suchtentwöhnung eingesetzt. Im Wellnessbereich wird Floating gerne mit Licht- und Toneffekten kombiniert, um Stress abzubauen und Muskelverspannungen zu lösen. Erfunden wurde das Floating in den 1950er Jahren vom Gehirnforscher John C. Lilly. Er wollte überprüfen, wie sich ein kompletter Reizentzug auf den Menschen auswirkt und entwickelte einen Salzwasserbehälter mit einer geringen Wassertiefe von rund 25 cm, der absolut lichtdicht und schallisoliert war. Lilly erhöhte die spezifische Dichte des Wassers durch Zugabe von Salz (Magnesiumsulfat) auf 1,30, sodass der menschliche Körper ohne Berührung der Wanne in der Lösung schweben konnte. Das Wasser wurde mit 34,8° C auf die menschliche Haut-Außentemperatur eingestellt, so dass der Nutzer weder Wärme noch Kälte empfand. Schnell stellte man fest, dass die Sinnesreizreduktion neben der physiologischen Entspannung auch eine innere, mentale Ruhe ermöglicht. Wirbelsäule, Muskulatur und Gelenke werden entlastet, die Haut erfährt durch das salzhaltige Wasser eine positive Wirkung, der Körper schüttet vermehrt die als „Glückshormone“ bekannten Endorphine aus. Studien weisen außerdem darauf hin, dass sich Floating günstig auf den Blutdruck auswirken kann. Gerade für gestresste Personen ist das Floating eine ideale Möglichkeit zu entspannen. Floating-Tanks und Floating-Räume finden sich heute in Massage- und Heilpraktikerpraxen, in den Wellnessbereichen öffentlicher Bäder und in Spa-Anlagen. Mittlerweile existieren in Deutschland knapp 100 Anlagen. Auf dem Markt für Floating haben sich Anbieter in unterschiedlichen Preissegmenten etabliert. Bei den solitär stehenden Floating-Tanks reicht die Preisspanne von rund 8.000 Euro für ein Einstiegsmodell bis über 30.000 Euro. Wichtig bei der Auswahl eines Floating-Tanks sind mehrere Faktoren: Zum einen die Kalkulation der voraussichtlichen Auslastung, denn danach richtet sich die Größe des kostenintensiven Filtersystems. Bislang existieren keine einheitlichen Regelungen der Gesundheitsämter bezüglich Floating-Anlagen. Einige Ämter überprüfen die Anlagen gar nicht, andere testen die vom Betreiber eingeschickten Wasserproben auf Keimfreiheit, wieder andere senden einen Mitarbeiter vor Ort, der die Proben entnimmt. Die Anlagen filtern das Wasser nach jedem Besucher und wälzen dabei den kompletten Salwasserinhalt des Tanks um. Häufig verfügen sie dabei über einen Vorratsbehälter mit einer zweiten, kompletten Salzwasserfüllung. Da alle Materialen über Jahre solebeständig sein müssen, sind offene Floating-Areale nur mit exzellenter Schwimmbadtechnik zu betreiben. Wichtig ist: Floating-Tanks wie auch Floating-Räume sollten absolut schall- und lichtdicht sein. Der entspannende Effekt kommt viel besser zustande, wenn keine Vibrationen oder gar Schrittgeräusche das Erlebnis stören. Wenn der Kunde es wirklich dunkel haben will, so muss dies gewährleistet werden können. Floatkabinen und Räume jeder Größe haben Konjunktur. Anbieter sind beispielsweise auf www.floatinginfo.org zu finden. Im Gegensatz zu manchen anderen Anwendungen sind Floatingsysteme nicht sehr kostenintensiv. Dies liegt zum einen an dem geringen Personalbedarf, zum anderen an den vergleichsweise geringen Unterhaltskosten. Je nach Anlage rechnet man für das Spezialsalz (Magnesiumsulfat, auch Epsomer-Bittersalz genannt) zwischen 2 und 5 Euro pro floatenden Gast. Durch den geschlossenen Wasserkreislauf wird kein weiteres Wasser als für das Duschen vor und nach dem Floaten verbraucht. Der Strombedarf der Anlagen ist durch die gute Isolierung gering. Im Jahr rechnet man bei Systemen mit Kartuschenfilter mit Kosten von rund 1.000 Euro, bei Reservoirsystem bis 3.000 Euro. Floating wird in Spa-Anlagen oft in Packages angeboten, beispielsweise mit einer Balsammassage für die optimale Rückfettungspflege der Haut. Eine halbe Stunde Floating ist das Minimum, für die wohltuenden Effekte ist eine Stunde besser. Der Kunde nimmt rein subjektiv meist eine Stunde als eine halbe wahr, weil beim Floaten Zeit und Raumgefühl verloren gehen. Häufig wird eine Floating-Session mit Anwendungen wie z.B. einer Massage kombiniert. Um gewinnorientiert arbeiten zu können, hat sich in vielen Anlagen ein Preis von 60 Euro pro Session etabliert. Viele Float-Systeme werden heute von den Betreibern geleast, die Finanzierung realisiert sich aus dem Cash Flow. Gut laufende Center, seien es reine Floatcenter oder Hotelanlagen, zählen täglich vier bis sechs Gäste pro Float-Einheit. o Jörg Auf dem Hövel* * Der Autor istVorstandsmitglied im Deutschen FloatingVerband, www.floating-verband.de Entspanntes Schweben im Salzwasserbecken.
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